Nach einem langen Naturstudium an den Akademien in Paris und München, einer intensiven Periode der Orientierung am Kubismus und Studienversuchen mit Papier, begann Inge Regnat-Ulner mit den Arbeiten in Stahl. Ihre bevorzugte Formensprache war und ist das Relief. Waren es bis in die 80er Jahre die Wand-Reliefs, so kamen seit 1988 die Raum-Reliefs hinzu, freistehend, in Stahl geschweißt und blau lackiert.
So entstanden Reliefzyklen, denen in der Abwandlung und freien Formvariation Buchstaben des griechischen Alphabets zugrunde liegen. Das Alphabet als Träger und Vermittler menschlicher Entwicklungsgeschichte.
In der folgenden Entwicklung entstehen Skulpturen rundplastischer Art und es kommt ein lineares Element hinzu, das den Kern umspielt und somit den Reliefcharakter aufhebt.
Im Umgehen ist nachvollziehbar, wie Fläche und Linie aufeinander Bezug nehmen - parallel oder gegenläufig - Echo- und Schattenformen bilden und somit eine neue plastische Formulierung schaffen. In einem weiteren Werkzyklus entstehen Arbeiten, die geprägt sind durch Transparenz und additive Elemente. Ein lineares Gefüge von verdichteten Strukturen entsteht - hin zur transparenten Skulptur.
Das Blau in den Arbeiten von Inge Regnat-Ulner ist Teil ihres künstlerischen Anliegens in diesen Jahren, selbst, wenn es von Yves Klein für immer besetzt zu sein scheint. Diese Farbe ist für sie primär die geistig-kosmische, entstehend in der Verdichtung von Ferne. Als immaterielle Farbe mit Leucht- und Strahlkraft, kommt sie dem Konstruktivistischen in ihren Arbeiten zugute und unterstützt, changierend je nach Lichteinfall, so die erwünschte Plastizität und entmaterialisiert die Schwere des Stahls.
In den neuesten Arbeiten kommt ein grün-gelbes Farbelement hinzu, quasi als lineare Akzentuierung, gelegentlich auch als abgrenzender Kontrast.