Schon als Jugendlicher kam Alfred Regnat in der Nähe seines Geburtsortes mit dem sogenannten "Ruhpoldinger Marmor", einem Kalkstein, in Berührung. Dieser sollte für sein zukünftiges Leben wegweisend werden. Es kam zur Ausbildung zum Steinbildhauer und zum Studium der Bildhauerei bei Professor Josef Henselmann an der Akademie der bildenden Künste in München, einen im Handwerklichen über jedes Lob erhabenen Meister seines Faches. Von Beginn also bildete bei Alfred Regnat das Material die emotionale Grundlage einer Skulptur, sie gibt den Grundakzent und bestimmt die Grenzen ihrer ästhetischen Wirkung.
Aus der Einsicht heraus, daß das Material genauso wie der Mensch von der Urmaterie abstammt, ist es immer wieder beeindruckend zu sehen, mit welch planender Phantasie Alfred Regnat vor allem seit 1980 sein skulpturales Werk entwickelt. In der Zusammenführung verschiedener Materialien, allen voran von Gestein und Eisen, von Messing und auch von Plexiglas, und in der Verquickung von der Geometrie entlehnten Formen gelingt es ihm, seinen Skulpturen den entsprechenden Platz zuzuweisen, um sie mit der Umgebung in Einklang und als Ganzes zur Wirkung zu bringen.
Sein Wollen wird besonders deutlich bei seinen zahlreichen Skulpturen im sogenannten öffentlichen Raum, wo er Zeichen setzt, ohne sich im klassischen Sinn dem umgebenden Raum anzupassen oder unterordnen zu wollen. Ein entscheidender Wesenszug in Alfred Regnats Kunstverständnis ist eine Offenheit, die - wie erwähnt - mit dem öffentlichen Charakter von skulpturalen Setzungen zu tun hat.
Der 1994 verstorbene Maler, Bildhauer und Architekt Max Bill vertrat schon 1949 die Auffassung, daß es möglich sei, "Kunst weitgehend aufgrund einer mathematischen Denkweise zu entwickeln"(1), womit er aber nicht ausgeschlossen haben wollte, daß Kunst-zu-schaffen neben dem Denken auch das Gefühl braucht.
Vor diesem geistigen Hintergrund sei es erlaubt, ein Wort über Alfred Regnats Künstlergeneration zu verlieren. Überblickt man sein bisheriges Werk, so verlangt es großen Respekt ab, wie ein über 60-jähriger Künstler sich allen modischen Begleiterscheinungen des Kunstbetriebes widersetzt und sich - künstlerisch gesehen - nie im verlorenen Selbstgespräch verstrickt hat.
1) In: "Die mathematische Denkweise in der Kunst unserer Zeit", abgedruckt in Eduard Hüttingers Monographie zu Max Bill Zürich 1977
Herbert Schneidler